Wissenswertes

Werdegang und Konzeption

(aus einem Grußwort von Reinhard Mutter, ehemaliger Sonderschulrektor, 1996)

Bis zur Mitte der 80er Jahre war die Albert-Julius-Sievert-Schule als klassische Schule für lernbehinderte Kinder ausgeprägt, welcher eine Beratungsstelle für sprachauffällige Vorschul- und Grundschulkinder angeschlossen war. Schon seinerzeit sehr fortschrittlich war der jetzt fortgeführte räumliche Verbund mit der Grund- und Hauptschule in einem Schulzentrum, welcher durch das tägliche Zusammenkommen in den Pausen, bei gemeinsamen Veranstaltungen und vielerlei anderen Berührungspunkten die bessere Integra­tion der Sonderschulkinder fördert.

In der Gesellschaft wie in den Fachwissenschaften sind aber inzwischen große Weiterentwicklungen zu beobachten, welche nicht ohne Rückwirkung auf die Sonderpädagogik bleiben durften. Gesamt­gesellschaftlich ist ein Immer ausgeprägteres Streben nach Individuation und individueller Selbstverwirklichung eingetreten, verbunden mit der massiven politischen Forderung nach der Auf­weichung und Öffnung feststehender Institutionen. Die Pädagogik, Psychologie und Medizin ermöglichten Immer weiter verbesserte Diagnose­möglichkeiten und zeigten wie alle Humanwissenschaften in vermehrt ganzheitlicher Form die ganze Komplexität von „Behinderung" auf. Dies war für uns eine klare Aufforderung, auf sehr komplexe Phänomene wie Lernbehinderung,, Sprachbehinderung, Verhaltensauffälligkeit, Entwicklungshemmungen usw. flexibel und kompetent zu reagieren. Größtmögliche Integration anstelle einer Abtrennung von Behinderten und bestmögliche individuelle Hilfen für die Vielzahl der Einzelfälle von behinderten Kindern an variablen Förderorten musste die Zielrichtung sein. Es war ein Konzept zu entwickeln, das möglichst viele sonderpädagogische Kompetenzen zusammenführen sollte und das es erlaubte, die Institution Sonderschule zu öffnen. Es sollte möglich werden, Schüler mit Förderbedarf ganz oder auch nur zeitweise an der Sonderschule zu unterrichten, gleichzeitig aber auch in weniger schwierigen Fällen den Unterricht an der Grundschule sonderpädagogisch zu stützen und Rückschülern an die Regelschule dort noch eine Weile zu helfen. Neben den Lern­behinderungen gab es eine wachsende Zahl von sprachbehinderten Kindern, die schulische und therapeutische Hilfe brauchten und die Zahl der Verhaltensprobleme im Schulalter ist ebenfalls eklatant im Anwachsen. So lag es nahe, eine sonderpädagogische Grundversorgung in der Region Müllheim durch ein flexibles sogenanntes Heilpädagogisches Förderzentrum herzustellen, das in möglichst enger Kooperation mit den Grundschulen arbeitet und größtmögliche Durchlässigkeit ermöglicht.

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